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©2011 Nietzsche-Forum München e.V.

I. Allgemeines zur Ausstellung

1. Warum Philosophie ausstellen?
Philosophie – und nicht einmal einen Philosophen mit Biographie und Werkübersichten – ausstellen zu wollen, muss recht abwegig erscheinen. Der Ausstellungs-Beitrag des Nietzsche-Forums München macht aus der Einladung durch die Bayerische Sparkassenstiftung keine Stunde der philosophischen Belehrung, sondern eine Provokation durch markante Zitate, die aus Religion, Kunst, Wissenschaft und Philosophie ausgewählt wurden. Der Begriff der Wahrheit, um den die Zitate kreisen, hat in der Zeit der allgemeinen Virtualität eine besondere Wirkkraft und Notwendigkeit. Die meist sehr knappen und pointierten Zitate sollen zum Innehalten und Nach-Denken locken.

2. Warum Philosophie in der Schule?
Philosophie ist in Bayern kein etabliertes Schulfach. Der in den frühen siebziger Jahren eingeführte Ethikunterricht als Ersatzunterricht für alle nicht am katholischen oder evangelischen Religionsunterricht teilnehmenden Schüler vermittelt zwar einige Aspekte der praktischen Philosophie in Antike und Neuzeit, bleibt aber weit hinter dem zurück, was in einigen anderen Bundesländern im regulären mehrstündigen Philosophieunterricht gelehrt und diskutiert wird. Ganz zu schweigen von Frankreich, wo kein Abiturient ohne schriftliche Philosophieprüfung die Schule verlässt. Die Beschäftigung mit Grundsatzfragen der Erkenntnis ist an einem Ort vielfältigster Wissensvermittlung zumindest einmal im Jahrzehnt wohl nicht fehl am Platz. Der Gewinn in diesem Projekt kommt einer konzentrierten Einführung in die Philosophie an einem ihrer Zentralbegriffe als Leitfaden gleich, von der mehr sprachlich oder mehr naturwissenschaftlich oder mehr historisch-sozial interessierte Schüler in gleichem Maße profitieren können.

3. Warum das Nietzsche-Forum München?
Durch ein weites Spektrum regelmäßiger Veranstaltungen zur lebendigen Diskussion der Philosophie Friedrich Nietzsches setzt das Nietzsche-Forum München die Tradition der ersten deutschen Nietzsche-Gesellschaft fort, die im frühen 20. Jahrhundert in München von Persönlichkeiten wie Thomas Mann gegründet wurde. Im Kontext der deutschen Nietzsche-Renaissance der letzten Jahrzehnte steht das Nietzsche-Forum München für eine kritische, zeitbezogene und zukunftsoffene Auseinandersetzung mit der Philosophie Friedrich Nietzsches. Insbesondere wendet es sich an junge Menschen, die sich für Nietzsche interessieren. Zuletzt in einem Schreibwettbewerb unter dem Motto “Mein Nietzsche”, einem ebenfalls von der Bayerischen Sparkassenstiftung geförderten Projekt. 
Kein anderer Philosoph erreicht eine so umfassende und tiefgreifende Infragestellung der Denk- und Sehgewohnheiten im Alltag und im Spezialistentum wie Nietzsche. Kein anderer Philosoph kommt der Aufklärungsarbeit des turmdersinne im Bereich der Wahrnehmungspsychologie so nahe wie Nietzsche, allein er geht noch weiter in seiner systematischen Aufdeckung menschlicher Illusionen. Und das soll dieser Ausstellungsteil dokumentieren.


II. Methodisch-didaktische Hinweise zur Ausstellung

 

Erläuterung des Aufbaus
    - Konzept-Tafel: Welt als Konstruktion und Interpretation
    - Tafel 1:   Grundfrage: Was ist Wahrheit?
    - Tafel 2:   Grundzweifel: Skepsis
    - Tafeln 3-7:  Säulen der Wahrheit: Sprache, Mythos und Religion, Kunst, Wissenschaft, Philosophie
    - Tafeln 8-10: Abschied von der Wahrheit als Fabel und Aufbruch zur Fröhlichen Wissenschaft

Umgang mit den Ausstellungstafeln
Zu jeder Tafel gibt es ein laminiertes Informationsblatt, das in das jeweilige Thema knapp einführt, die Quellen für die Zitate angibt, Fachbegriffe in den Zitaten kurz erläutert und ein Angebot zu Fragestellungen macht. Dieser Teil “Anregungen und Aufgaben” ist aber wesentlich gedacht für die Arbeit am PC.
Es empfiehlt sich, nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die Ausstel-lung den SchülerInnen die individuelle Schwerpunksetzung zu überlassen mit dem Arbeitsauftrag, in einem improvisierten Plenum einander Haupteindrücke mitzuteilen (wichtige, unklare, interessante usw. Zitate). Sinnvoll wäre es dann wohl, aus dem Alltagsverständnis heraus eine erste Diskussion zu besonders provozierenden Thesen zu initiieren.
Aus der Begegnung mit den Ausstellungstafeln sollte sich dann auch die Entscheidung der Schüler für eine oder mehrere bevorzugte Tafeln herauskristallisieren, die dann die PC-Arbeit leiten soll.


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Wahrnehmung und Philosophie

Wahrnehmung und Philosophie




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TEXTVERSION:

Konstruktion und Interpretation

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»Es ist zu beweisen, daß alle
Welt
construktionen Anthropomorphismen
sind […]«
Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)

»Daß der We r t h  d e r  W e l t in unserer Interpretation liegt
(– daß vielleicht irgendwo noch andere Interpretationen
möglich sind als bloß menschliche –) daß die bisherigen
Interpretationen perspektivische Schätzungen sind,
vermöge deren wir uns im Leben […] erhalten […]
– dies geht durch meine Schriften.«
Friedrich Nietzsche

»Der interpretative Charakter alles Geschehens.
Es giebt kein Ereigniß an sich. Was geschieht,
ist eine Gruppe von Erscheinungen ausge l e s en und
zusammengefaßt von einem interpretirenden Wesen.«
Friedrich Nietzsche

»Gegen den Positivismus, welcher bei dem
Phänomen stehen bleibt „es giebt nur Thatsachen“,
würde ich sagen: nein, gerade Thatsachen giebt es
nicht, nur Interpretationen. […] Ist es zuletzt nöthig,
den Interpreten noch hinter die Interpretation zu
setzen? Schon das ist Dichtung, Hypothese.«
Friedrich Nietzsche

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