Synergiedidaktik (Claudia Wührl)
Das Kombinationsseminar – oder: der Zwischenraum als lebendiger Ort. SYNERGIEDIDAKTIK am Schnittpunkt universitärer und schulischer Lehrerbildung und individualisiertem Unterricht an der SchuleVon Claudia Wührl
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Kurzfassung:
Abstract/Kurzfassung des Projekts E-learning und Fachdidaktik Deutsch:
Zur verstärkten Individualisierung und Differenzierung qualitätsvollen Unterrichts und zur verstärkten Praxisorientierung der universitären Lehrerbildung durch einen neuen Veranstaltungstyp in den Fachdidaktiken und eine neue Unterrichtsform an den Schulen:Das Kombinationsseminar – oder: der Zwischenraum als lebendiger Ort. Synergiedidaktik am Schnittpunkt universitärer/schulischer Lehrerbildung und individualisierendem Unterricht an der Schule
(Claudia Wührl, wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur der Universität Bayreuth/OStR´am Gymnasium Veitshöchheim)
Die enge Verzahnung, die notwendige Symbiose von theoretisch-wissenschaftlicher Didaktik und ihrer unterrichtlichen Umsetzung muss demonstriert und exemplarisch vorgeführt werden - und zwar in einem Setting, das die Studierenden nicht mit der Fülle gleichzeitig zu bewältigender didaktischer und pädagogischer Aufgaben überfordert sondern den Studierenden erlaubt nacheinander jeweils nur einige Kompetenzfelder – etwa das Führen eines Unterrichtsgesprächs oder das Stellen und Evaluieren geeigneter Aufgabenformate zu fokussieren, alle anderen Anforderungen , insbesondere pädagogischer Art, auszublenden. Das heißt aber neben dem viel größeren Raum zur Eigenaktivität und eigenen Gestaltung für die Studierenden auch didaktische Konzepte quasi im Laborversuch durchzuführen, zu reflektieren und zu optimieren. Die Evaluation des gehaltenen Unterrichts gehört also genuin zu dieser Form des Seminarunterrichts – und damit kommt auch das Element der empirischen Unterrichtsforschung ganz selbstverständlich mit ins Spiel. Diese sollte im Übrigen die in den Fachdidaktiken heute allgemein geforderte empirische wissenschaftliche Forschungsarbeit, die als Bestandteil des wissenschaftlichen Seminars ohnehin ihren Platz finden muss, angemessen berücksichtigen. So würde auch eine Lehrergeneration herangebildet, die den Sinn einer dauerhaften wissenschaftlich-didaktischen Fundierung ihrer Arbeit und die Notwendigkeit empirischer Unterrichtsforschung zur Überprüfung und Evaluierung von Unterricht und didaktischem Modell selbstverständlich in die eigene Tätigkeit zu integrieren bereit ist.
Insgesamt muss also m.E. für das Studium der Fachdidaktiken in der zweiten Hälfte der Studienzeit die intensive praxisorientierte Vorbereitung auf das Referendariat im Vordergrund stehen, jedoch – theoriegeleitet und von wissenschaftlicher Forschung begleitet.
Wie nun könnte das als fachdidaktischer Studiengang strukturiert werden – und wie an der Schule institutionalisiert werden?
I. UNIVERSITÄRE LEHRERBILDUNG
Ein mögliches Modell könnte vielleicht folgender Entwurf eines zweiphasigen Didaktikstudiums sein, das in seinem zweiten (Phase B) Teil das Konzept einer Synergiedidaktik verwirklicht
PHASE A: EINFÜHRUNGS – und THEORIEPHASE
Beginn des Didaktikstudiums (2. - 4.) Semester: Einführungen, Seminare und Hauptseminare wie bisher gehandhabt
PHASE B: SYNERGIEDIDAKTISCHE, praxisorientierte PHASEenthält das Praktikum (s. ausführliche Beschreibung) und das synergiedidaktische Kombinationsseminar als Kombination der Vermittlung theoriegeleiteten didaktischen Handlungswissens mit der Anwendung dieses Wissens: Durch die Erarbeitung praxisorientierter didaktischer Unterrichtskonzeptionen, ihrer Umsetzung im Unterricht, ihrer Evaluation mit Hilfe qualitativer und quantitativer Methoden der empirischen Unterrichtsforschung und Reflexion. Das heißt: Vermittlung deutschdidaktischen Wissens als Kompetenz.
Das Kombiseminar in der Praxis
Die Kombinationsseminare müssten exemplarisch und damit lehrplan, also themen- und jahrgangsstufenorientiert arbeiten und zunächst
1. die fachlichen und didaktischen Grundlagen zu einem im Lehrplan verankerten Thema bieten und zwar auf allen Gebieten, die didaktisch im Rahmen dieses Themas impliziert sind. Dann werden
2. gemeinsam Unterrichtssequenzen / Doppelstunden erarbeitet, die nach einer Optimierung im Seminar dann auch
3. in einer Klasse der jeweiligen Jahrgangsstufe gehalten und
4. anschließend evaluiert (z. B. per Fragebögen für SchülerInnen und die übrigen beobachtenden SeminarteilnehmerInnen oder durch von SchülerInnen geführte Portfolios) bzw. reflektiert werden (Schlussplenum in der Klasse und im Seminar/Diskussion der Portfolioergebnisse/ der Fragebögen).
Damit ist auch im Praxisteil der wissenschaftliche Anteil des Didaktikstudiums in Gestalt empirischer Unterrichtsforschung en miniature präsent und das Evaluieren und Reflektieren des eigenen Unterrichts wird von Anfang an eingeübt.
II. INDIVIDUALISIERTER, QUALITÄTVOLLER UNTERRICHT AN DEN SCHULEN
Der Didaktikdozent, der für diesen Seminartyp ideal wäre, wäre eine neuer Dozententyp, der „Syndidaktiker“1) . Er muss aus der Schule, der Schulpraxis kommen und dort intensive Erfahrung gesammelt haben. Zumindest 6 Jahre Schulpraxis sind unabdingbar. Eine etwa zweijährige Vorbereitungszeit mit einem berufsbegleitenden Studium würde ihn mit dem didaktischen Fach-Knowhow ausstatten. Danach könnte er über eine Abordnung zu einem Viertel oder Drittel an die Universität platziert werden. Er vernetzt dann seine „Kombiseminare“ an der Universität mit seinem Unterricht an seiner Schule am gleichen Ort und/oder arbeitet über eine Lernplattform mit den Schülergruppen und ihren studentischen TutorInnen: Unterrichtskonzepte der StudentInnen werden so nahtlos in den ohnehin geplanten eigenen Unterricht integriert: Zeitpunkt der Integration kann so flexibel vom Lehrer-Dozenten bestimmt werden; zudem wird das Betreuen kleinerer Schülergruppen für einzelne Studentinnen oder Studierendentandems möglich. Damit wird zunächst eine Überforderung der Lehramtsnovizen mit für sie noch schwer zu bewältigenden Bedingungen im Lehrberuf vermieden: so etwa das Unterrichten in überfüllten Großklassen mit den hierzu erforderlichen didaktischen und pädagogischen Kompetenzen. Vielmehr kann das Stellen geeigneter Aufgabenformate, das Bewerten von Schülerleistungen, das Anwenden von Methoden und der Umgang mit SchülerInnen verschiedenster Altersstufen kleinschrittig und in übersichtlichem Rahmen eingeübt und mit Hilfe des stets als Beobachter und kompetenter Wissenschaftler präsenten Syndidaktikers reflektiert werden. Zugleich wird den SchülerInnen in der Kleingruppe intensive Aufmerksamkeit und Betreuung durch die studentischen Tutoren zuteil, eine Laborsituation quasi für die Studierenden, eine „Intensive-Care“-Situation für die SchülerInnen.__________
I. 1) Der Syndiaktiker erlaubt eine enge Beziehung zwischen Schule und Universität zu beiderseitigem Nutzen, sodass nicht mehr wie bisher ein eher belastendes Eingreifen universitärer Lehrerbildung in den Schulalltag durch die studentischen Praktikanten erfolgt zum Nachteil überlasteter, für die Mehrarbeit kaum entschädigter und für diese anspruchsvolle doppelte Lehrtätigkeit auch nicht angemessen ausgebildeter Praktikumslehrer. Der „Syndidaktiker“ muss als ausgewiesener Praktiker und didaktischer Theoretiker auf aktuellem akademischem Niveau auf beiden Ufern fest verwurzelt sein und kann so eine stabile Brücke für diejenigen bieten, die sich im unwegsamen Niemandsland zwischen Theorie und Praxis befinden und erst lernen müssen, dass beides untrennbar zusammengehört in einem hochkomplexen Berufsfeld wie es das Lehramt an Sekundarschulen heute darstellt. Gleichzeitig kann auf diese Weise die Kreativität, Arbeitskraft und Zeit der StudentInnen nicht nur in Leistungspunkte investiert werden, sondern fruchtbar gemacht werden für den Unterricht, für die Schülerinnen und Schüler: Symbiose eben.
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