Projekt Veitshöchheim

Projektbeschreibung
In einzigartiger Weise konnten in Würzburg in relativ kurzer Zeit Schulen (Gymnasium Veits höchheim, Schule im Krankenhaus), Universitätskliniken (Uni-Kinderklinik mit „Station Re genbogen“, psychatrische Polikinderklinik, Stammzellentherapiezentrum) soziale Organisa tionen (Kind im Krankenhaus, Elternbeirat) und Sponsoren (Intel, Schulbuchverlage, Kran kenkassen) von einer „Idee“ überzeugt werden. „Hand in Hand“ wurden die anstehenden Probleme gelöst, ein im Unterrichtsalltag mehrjährig erprobtes didaktisches Konzept adap tiert, die technischen und rechtlichen Voraussetzungen abgeklärt und die Erprobungsphase parallel zur Projektentwicklung begonnen.
 
Hand in Hand - Gesund und krank
 

Lang- und Kurzzeit erkrankten Kindern soll mit Hilfe einer geschlossenen Lernplattform die Möglichkeit gegeben werden, selbst organisiert und selbstverantwortlich zu lernen.
Durch die Einbindung der verantwortlichen Ärzte, der Lehrkräfte der Heimat- bzw. Stammschule und der Schule im Krankenhaus wird eine individuelle Lernumgebung geschaffen, die auf ent sprechende Erkrankungen und Heilungsverläufe Rücksicht nimmt.

Durch das Bereitstellen von Online- und Offline-Informa tionen (CD-ROMs) für alle Fächer, Jahrgangsstufen und Schultypen können erkrankte oder in Rehabilitation befindliche SchülerInnen rund um die Uhr entsprechend ihres gesundheitli chen Zustandes oder in Abhängigkeit von entsprechen­den Therapien ein Lernangebot nut zen.

Die Verwendung moderner und multimedialer Lehr- und Lernmethoden fördert die Eigenmotivation. Die Erfahrungen des Gymnasiums Veits­höchheim mit seinem mehrjährigen Notebook-Projekt und dem gewachsenen Leitfachleh rerteam bilden das methodisch-didakti sche Fundament des Projektes. Ein vielfältiger, evalu ierter Daten– und Lernpool wird einge bracht und kann kontinuierlich ausgebaut werden.
 
Zielgruppe
·         Kinder mit chronischen oder onkologischen/rezidivierenden Erkrankungen
·         Kinder in Stammzelltherapien
·         Kinder mit psychischen Erkrankungen
·         Kinder in Rehabilitation
 
Ziele
 
·         Bereitstellung von multimedialen Lerninhalten aller Fächer, Jahrgangsstufen und Schultypen auf einer geschlossenen Lernplattform
·         Aufbau eines Lern– und Datenpools
·         Aufbau eines Online-Tutorensystem bestehend aus SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern
·         Erleichterter Wiedereinstieg erkrankter SchülerInnen in den normalen Schulalltag
·         Minimierung von Lerndefiziten in Folge von Erkrankungen
·         Strukturierung eines oft „langen“ Krankenhaustages
·         Individuelle Anpassung von Lernumgebungen und Zuschnitt auf entsprechende Krankheits bilder und Krankheitsverläufe
·         Schaffung von Hoffnung und Perspektive
·         Einrichtung von Chatrooms für Kinder in Isolationsräumen
·         Erhaltung der Kommunikation mit dem gewohnten sozialen Umfeld (Freunde, Klassenkame raden, Verwandte)
·         Kommunikationsplattform für Kinder in ähnlicher Krankheitssituation
·         Onlinebetreuung von schulpflichtigen, erkrankten Kindern durch Heimatlehrkräfte
·         Förderung des sozialen Engagements von SchülerInnen und LehrerInnen
·         Förderung der Kommunikations- und Teamfähigkeit
 
 
Inhaltliche Konzeption

 
Die in dreijähriger Projektzeit in den Notebook-Klassen am Gymnasium Veitshöchheim erar beiteten Lerneinheiten für die Jahrgangsstufen 6 bis 10 werden auf einer Passwort ge schützten Lernplattform bereitgestellt. In Zusammenarbeit mit der Schule für Kranke in Würzburg und den Lehrkräften der Heimat- bzw. Stammschulen werden die eingestellten Lerninhalte überarbeitet und kontinuier lich neue Lerneinheiten entwickelt. Nach erfolgreicher Erprobung im gymnasialen Bereich kann das Konzept auf alle Schularten ausgeweitet wer den. Sowohl SchülerInnen als auch Mitglieder des Leitfachlehrerteams können als Tutoren für die Lehrkräfte und Kinder im Krankenhaus dienen. Es besteht auch die Möglichkeit von Live-Übertragungen einzelner Unterrichtsstunden oder Unterrichtssequenzen. Positive prak tische Erfahrungen mit Unter­richtsübertragungen (zwischen Schulen, zur Bildungsmesse) wurden am Gymnasium Veits höchheim schon im Schuljahr 2002/03 gesammelt. Die er krankten oder in Rehabilitation be findlichen Kinder entscheiden individuell, freiwillig und in Rücksprache mit den verantwortli chen Ärzten über ihr Lerntempo und ihre Lernmenge im Kontext ihres Tagesrhythmus.
 
 
Sinnvolle Integration (Integration im betrieblichen oder institutionellen Ablauf)
 

Die Möglichkeit der Integration dieser neuen Unterrichtsform und ihr Mehrwert für erkrankte Kinder wurden von allen Beteiligten sofort erkannt. Die definierten Ziele dienen dazu, auch erkrankten Kindern eine gute Ausbildung in einer sensiblen Lebenssituation zu ermögli chen. Die von den neuen Medien ausgehende Motivation, Faszination, die leichte Bedien barkeit und die Chance einer weltweiten Kommunikation fördern, bieten und ermöglichen es v.a. bei kranken Kindern mit ihren eingeschränkten Bewegungs- und Handlungsradien am Alltag ihrer Schule, Freunde und Bekannte teilzunehmen. Die Wiedereingliederung in den „normalen“ Schulalltag kann damit sehr erleichtert werden. Durch die Möglichkeiten des In ternets ist auch eine überregionale Nutzung möglich.
Zusätzlich können durch die Kooperation der verschiedenen Schultypen und Schulformen alle Partner voneinander zum Wohle der Schülerinnen und Schüler lernen. Die Aufgabenge biete der inneren Schulentwicklung, ein Methodentraining, die Vermittlung von Life-Skills bzw. alle Schulbereiche, die der verstärkten Vermittlung von Schlüsselqualifikationen für die Zukunft dienen, werden von allen Schulen zur Zeit sehr kreativ bearbeitet, aufgerüttelt durch PISA oder den allerorts spürbaren Auswirkungen der derzeitigen wirtschaftlichen Situation auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Hier besteht die Möglichkeit, dass sich die betei ligten Schulen in den Schnittmengen ihres pädagogischen Handelns austauschen, ergänzen und gegenseitig fördern, um durch mögliche Synergieeffekte zeitliche Ressourcen sowohl für gegenwärtige als auch zukünftige pädagogische Herausforderungen zu schaffen.
 
Akzeptanz und Erfolg (Messung und Akzeptanz, Rückmeldung der Nutzer)

 
In regelmäßigen Abständen durchzuführende Evaluationen haben das Ziel, auftretende Fehlerquellen zu minimieren, etwaige Überforderungen der Kinder zu verhindern und eine kontinuierliche Weiterentwicklung zu gewährleisten.
 
 
Hand in Hand - Gesund und krank
 
Chronisch erkrankten Kindern eine Zukunftsperspektive zu eröffnen und die Möglichkeit ihrer sensiblen Wiedereingliederung in den normalen Schulalltag ist zu allererst ein ethisches und moralisches Unterfangen und in einem Kosten-Nutzen-Verhältnis nur sehr schwer vorzu rechnen. Wenn Schulausfallzeiten durch das dargestellte Projekt minimiert oder drohende Wiederholungen einer Jahrgangsstufe verhindert werden können, ist dies nicht nur für jeden Einzelnen sondern auch für die Gesellschaft von großem Nutzen und marktwirtschaftlichen Wert. Durch die Möglichkeit einer kontinuierlichen und individuellen Unterrichtsbegleitung und des Ansatzes zum selbst organisierten und eigenverantwortlichen Lernen können auch während der Abwesenheit von der Heimatschule Schlüsselqualifikationen für das zukünftige Leben erworben werden.

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